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Die Dalai Lamas
Herausgeber: Martin Brauen
Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart, 304 Seiten, 364 Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß
Buch zur Ausstellung “Die 14 Dalai Lamas - Tibets Reinkarnationen des Bodhisattva Avalokitesvara”,
ISBN 3-89790-219-2

Dieser Prachtband über Tibets 14 Dalai Lamas zeigt viele bisher unbekannte Fotos von Thangkas und Skulpturen. Außerdem bringt er einen Überblick über ca. 600 Jahre Geschichte dieser Reinkarnationslinie und somit Tibets.

Was die Biographien der einzelnen Dalai Lamas betrifft, handelt es sich bei deren tibetischen Quellen um Hagiographien. Sie sind daher in verehrender Form verfasst, da es sich bei dem Objekt der Beschrei­bung um einen Bodhisattva handelt, der auf den Eingang ins Nirwana verzichtet, um während seiner weiteren Wiedergeburten möglichst vielen Lebewesen zur Erleuchtung zu verhelfen.

Die Autoren machen mit Geschehnissen im Leben der Dalai Lamas bekannt, die den westlichen Lesern bisher unbekannt waren. Unter anderem erfahren wir, dass dem ersten und zweiten Dalai Lama dieser Titel erst posthum verliehen wurde, - dass der dritte Dalai Lama der große Missionar und Reisende dieser Inkarnationslinie war, - dass der vierte Dalai Lama aus der mongolischen Familie des Altan Khan stammte und dass durch die enge Verbindung der Gelugpas mit den Mongolen die Schule der Gelugpas in Tibet die geistige und politische Führung übernehmen konnte, - dass es unter dem 5. Dalai Lama, der ein Lehrer-Schutz-Verhältnis mit Gushri Khan vereinbarte, auch Kontakte zu anderen Kulturen gab. Weiter erfahren wir, dass der sechste Dalai Lama gemeinsam mit seinen Freunden viel Zeit in der Gesellschaft von Frauen in den Gasthäusern der Stadt verbrachte – und Liebesgedichte schrieb.

Der “Große 13. Dalai Lama” flüchtete in die Mongolei und weiter nach China, weil die Engländer eine Militär-Expedition auf das Dach der Welt entsandten um ihre Handelsinteressen durchzusetzen. Später kehrte der Dalai Lama aus Indien nach Lhasa zurück und verkündete 1912 Tibets Unabhängigkeit. Nachdem er mit seinen Reformen zur Modernisierung des Landes an den Adeligen und Klöstern gescheitert war, veröffentlichte er sein Testament, in dem er auf die kommende Entwicklung hinwies. – Der 14. Dalai Lama ist aus den Medien weithin bekannt. Ein Kapitel beschäftigt sich mit der Frage nach seinem Standort im Buddhismus: Reformer? Konservativ? – Seine Wirkung im Westen beruht vor allem darauf, dass er das lebt, was er den Menschen verkündet.

Weitere Kapitel befassen sich mit dem Standort des heutigen Dalai Lama – konservativ? Oder doch ein Reformator? - mit dem Lehrer-Schüler-Verhältnis Panchen Lama und Dalai Lama, mit Schutzgöttern.

Dem Buch beigepackt sind eine Tabelle mit der zeitlichen Auflistung aller Dalai Lamas sowie Abbildungen einer siebenteiligen Thangka-Serie des neunten Dalai Lama: mit Bilderserien wie dieser versuchte man, eine Reinkarnationslinie auf wichtige Vorgänger zurückzuführen. So werden z.B. bedeutende Personen der Geschichte oder Legende in die Vorgängerliste einer Reinkarnationslinie einbezogen, um dieser mehr Bedeutung zu verleihen.

 

Der Dalai Lama - Die Biographie
Gilles van Grasdorff
Verlag O. W. Barth 2004, 417 Seiten, ISBN 3-502-61133-5

Diese Biographie von S.H. ist äußerst genau und inhaltsreich erzählt. Wie viele Quellen hat der Autor wohl durchforscht, mit wie vielen Menschen hat er gesprochen, bis dieses Material mit allen seinen Details zusammengetragen war! Bis er bereit war dieses spannende, aber auch traurige Buch zu Papier zu bringen. Ich bin seit Jahren eine fleißige Leserin von Büchern speziell über S.H. den 14. Dalai Lama, doch davon ist diese Biographie sicher die umfangreichste. Sie umreißt den Zeitraum zwischen dem Tod des 13. Dalai Lama in einer Zeit der politischen Wirren und dem vorläufigen Endpunkt im Exil. Der Schluss klingt resigniert: soll von Tibet nichts bleiben als „ein entschwundener Traum im Gedächtnis der Welt“?
Der Autor bemüht sich um die Genauigkeit eines scheinbaren Augenzeugen und hält dadurch die Spannung, auch wenn der Reichtum an Inhalt, Schauplätzen und vor allem Menschen immer wieder Rückblicke notwendig macht und zu chronistischer Kürze zwingt. Beeindruckend, wie TibeterInnen immer noch ihren Glauben leben und unter der chinesischen Besatzung dafür leiden müssen. Wenig überraschend, dass es im Exil schwierig ist, sich inmitten von Tradition, militantem Eintreten für Tibet und westlicher Lebensart zu orientieren. Aber Vorsicht, nach der Lektüre ist man um vieles reicher: an Wissen über dieses einmalige Land zwischen überlieferter Kultur und Machtkämpfen, Buddhismus und Politik und zu lange zu konsequent verfolgter Nichtpolitik. Viel Zeit und Einfühlungsvermögen werden vorausgesetzt, bei der Bewältigung dieses rundum gelungenen Buches über Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama.
Gilles von Grasdorff, ein Belgier, er wurde 1948 geboren, ist seit vielen Jahren im Kontakt mit S.H. und dessen Schwester Jetsun Pema. Er ist Journalist und hat sich ein breites Wissen über die wechselvolle Geschichte Tibets angeeignet. Unter anderem hat er auch mit der Schwester von S.H. Bücher veröffentlicht: „Zeit der Drachen“, 1997 und „Ort der Götter, Land der Tränen“, 1998. Zuletzt sei noch die stilsichere Übersetzung von Renate Stolze erwähnt.

 

Geboren in Lhasa
Namgyal Lhamo Taklha
München 2002, 369 Seiten, ISBN 3-485-00915-6

Namgyal Lhamo Takhla berichtet über ihr Leben voller Unruhe, Höhen und Tiefen: Geboren 1942, behütete Kindheit, Jugend in Internaten, Exil, Familienleben auf Reisen, unermüdliche Arbeit für die Tibetergemeinen in der Schweiz, den USA und in Indien. Kurze Zeit war sie Direktorin des Instituts für Tibetische Medizin und Astrologie. Als Beraterin des Filmstabs für "Kundun" sorgte sie für die Hintergrundinformationen. Nach den Begegnungen mit Lamas in Ost und West wandte sie sich wieder dem Buddhismus zu, der ihr Kraft in schwierigen Zeiten gab.

 

Alexandra David-Neel: Mein Leben mit der Königin des Himalaya
Marie-Madeleine Peyronnet

München 2003, 226 Seiten mit Abbildungen, ISBN 3-485-00987-3

LeserInnen der Bücher von Alexandra David-Neel werden sie als unbeirrbare, stets neugierige Forscherin kennen gelernt haben. Dieses Buch gewährt uns nun Einblick in die privaten Facetten dieser kraftvollen Persönlichkeit. Die Episoden dieses Buches vermitteln mit humorvollem Unterton den Aufeinanderprall zweier grundverschiedener Menschen, dazu zahlreiche Lebensweisheiten, unprätentiös in kleine Portionen verpackt. Die deutsche Ausgabe wurde von der Autorin durch ein Kapitel ergänzt, in dem sie die abenteuerliche Reise der sterblichen Überreste von Alexandra David-Neel schildert.



 
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